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Aufnahmebedingungen und Kosten
Wohnen in Lehre oder Glentorf
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Nachsorge
Aus fachlicher Sicht

- Projekt Kaffeetwete e. V. - Kurzfassung der Behandlungskonzeption

1. Zielgruppe und Indikation
Drogen- und mehrfachabhängige Männer im Alter von 18 bis 50 Jahren. Das Projekt Kaffeetwete ist seit seiner Entstehung als Behandlungseinrichtung gemäß §§ 35 / 36 BtMG – Therapie vor Strafe – anerkannt.

Aufnahmevoraussetzungen: Als wichtige Voraussetzungen einer therapeutischen Kooperation mit dem Patienten gelten uns Freiwilligkeit sowie eine entsprechende Behandlungsmotivation. Die Patienten sollen dem christlichen Gedankengut gegenüber neutral / offen sein und die Hausordnung akzeptieren.

Kontraindikationen: Nicht aufnehmen können wir primär akut psychotisch Kranke sowie intensiv Pflegebedürftige – eine Infektion mit HIV stellt keinen Hinderungsgrund für die Aufnahme dar.

2. Unsere Häuser
Das Therapiezentrum Lehre (19 Plätze) und die Adaptionshäuser in Lehre (jeweils 4 Plätze) liegen in ländlicher Umgebung im Kreis Helmstedt, ebenso das Aufnahmehaus in Königslutter- Glentorf (15 Plätze) - beide jeweils rund 15 km südwestlich oder südlich von Wolfsburg. Jeder Therapieteilnehmer bewohnt ein Einzelzimmer mit Nasszelle. Außerdem gehören Kaminstube, Hobbyraum, Werkstätten und ein großer Garten zu den Häusern auf dem Teichgrundstück in Lehre.

Zum Team gehören: Ärztin, Psychiater, Psychologischer Psychotherapeut, Psychologe, Dipl.- Sozialarbeiter, Sozialtherapeuten (GVS), Handwerker, Ergotherapeut, Krankenschwester, Ex-UserInnen, Buchhalterin, ehrenamtliche MitarbeiterInnen.

Die Kosten der Behandlung werden von der Deutschen Rentenversicherung (federführend ist die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover), den Krankenkassen und den Sozialhilfeträgern im Rahmen der Medizinischen Rehabilitation übernommen.

3. Hauptziele der Rehabilitation
Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, indem körperliche bzw. seelische Gesundheit, mithin Erwerbsfähigkeit und die persönliche Entwicklung ganzheitlich im Rahmen der medizinischen Rehabilitation gefördert werden sollen (s. §§ 1, 2, 4, 5 u. 26 SGB IX ).

Dauerhafte Suchtmittelabstinenz oder zumindest längere Abstinenzphasen

Im Anschluss an die Entgiftungsbehandlung im Krankenhaus wird entlang einer Schrittfolge therapeutischer Maßnahmen das jeweils Erreichte ausgebaut, vertieft und gefestigt, verbunden mit dem korrespondierenden Ziel, eine drohende Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, auszugleichen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder deren Folgen zu mildern. s.§107 SGB V

Erwerb eines neuen zufrieden stellenden Lebensstils auf der Grundlage vorhandener Ressourcen mittels Aktivierung von Selbsthilfepotenzialen, nachhaltige Erlebens- und Verhaltensänderungen.

Ausgehend von diesen Hauptzielen lassen sich situationsspezifisch wiederum Teilziele formulieren, wie sie etwa denen des Therapiezielkatalogs xPeer-Reviewx entsprechen und unterschiedlichen Dimensionen zugeordnet werden können – etwa psycho-sozialen, somatischen, edukativen oder auch solchen im Hinblick auf Aktivitäten und Teilhabe. Ein aufwändiges Qualitätsmanagement sowie regelmäßig durchgeführte Supervisionen sollen den Behandlungserfolg sichern helfen.

4. Behandlungsplan

Vor dem Hintergrund bereits vorhandener Berichte und Gutachten bezüglich der jeweiligen Vorgeschichte sowie der unsererseits erhobenen Anamnesen und Befunde über somatische, psychische und soziale Beeinträchtigungen erstellen wir eine umfassende Diagnose nach Maßgabe der ICD-10 und erarbeiten mit jedem Patienten einen individuellen Behandlungsplan, der während der Behandlung je nach Verlauf aktualisiert wird.

5. Bausteine der Rehabilitation
In Anlehnung an ein bio-psycho-sozial-spirituelles Gesundheitsmodell auf Basis der ICF werden sowohl bewährte Methoden aus der psychoanalytisch- als auch der verhaltenstherapeutisch-orientierten Behandlung einbezogen, ergänzt durch Vorgehensweisen systemischer Therapie sowie Gestalt- und Logotherapie. Besonderes Gewicht messen wir den gruppen- und einzeltherapeutischen Veranstaltungen bei, in denen problemzentriert gearbeitet wird.

Ärztliche Beratung und Behandlung: bei körperlichen, psychiatrischen und weiteren Erkrankungen, die zu einem chronifizierten Abhängigkeitssyndrom gehören.

Psychotherapie: Gruppenbehandlung, ergänzt durch Einzel-, (Ehe-)Paar- und Familiengespräche, Klärung und Aufarbeitung der Suchtentwicklung bzw. Lebensgeschichte; Finden neuer (Sucht-) Bewältigungsstrategien, Entwicklung eigener Kompetenzen und Selbstständigkeit im Hinblick auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und Gemeinschaft.

Themenzentrierte Gruppen: u.a. Ressourcenförderung, Sinnfragen, Literatur und Spiritualität.

Ergo- und Arbeitstherapie: Wesentliche Zielsetzungen in diesem Bereich beziehen sich auf Trainingmaßnahmen zwecks Verbesserung bzw. Wiederherstellung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit, u. a. Förderung von Feinmotorik, Aufmerksamkeit, Problemlöseverhalten, Ausdauer, Kontakt- und Kritikfähigkeit, Misserfolgstoleranz, Selbständigkeit und Verantwortung im Sinne des MELBA- Anforderungsprofils.

Beschäftigungstherapie: (Wieder-)Entdecken schöpferischer Fähigkeiten, Training von Konzentration und Sinneswahrnehmungen, z. B. auch im Rahmen der musiktherapeutischen Übungen.

Bewegungstherapie und Sport: Freude an Bewegung entdecken, Körperempfinden sensibilisieren, Kooperation, Spiel und Spaß in vielen Sportarten, u.a. Fuß- und Volleyball, Schwimmen, Wandern und Radfahren. Billard-, Sauna- und Fitnessraum stehen ebenfalls zur Verfügung.

Freizeitgestaltung: Statt passivem Konsumieren zufrieden stellende und sinnvolle Freizeitgestaltung, u.a. Musizieren, Spiele, Feiern, Ausflüge. Einmal im Jahr gibt es  eine erlebnispädagogische Fahrt in der wunderschönen Landschaft Südschwedens – mit Outdoor-Training wie Lagerfeuer, Angeln, Kanu und Segeln.

Begleitende Sozialarbeit: u.a. Unterstützung im Umgang mit Ämtern und Behörden, Gerichtsverfahren, Schuldenregulierung, Praktikums- und Arbeitssuche.

6. Rehabilitationsphasen und -dauer
Medizinische Rehabilitation:

1. Stammphase: i.d. Regel 22 Wochen

2. Adaptionsphase: i.d. Regel 12 Wochen, (gilt nicht für Krankenkassenpatienten)  

3. Ambulante Weiterbehandlung: i.d. Regel 6 Monate

Elemente des mit Hilfe der Rehabilitationsmaßnahmen neu erworbenen Lebensstils werden unter Anleitung in unterschiedlichen Alltagsbereichen erprobt. Während der Adaptionsphase u. a. externe Arbeitspraktika, zunehmende Selbstversorgung, Aufbau eines drogenfreien Bekanntenkreises, Teilnahme an Selbsthilfe- und Gemeindegruppen – in allen Bereichen mehr Selbstbestimmung.

7. Leitbild
Das Therapieangebot ist christlich orientiert. Unser Leitbild entspricht weitgehend demjenigen unseres Wohlfahrtsverbandes - dem Diakonischen Werk. Eine kurze Passage aus der entsprechenden Präambel mag verdeutlichen, was uns wichtig ist:

"Gott will und liebt jeden Menschen, unabhängig davon, was er ist und was er kann. Er nimmt ihn an – auch und gerade im Scheitern und in Schuld. Wir versuchen besonders für die Menschen einzutreten, deren Würde missachtet wurde oder wird.

Gott traut uns zu, solidarisch zu handeln, das Recht der Schwachen und Fremden zu achten und zu versuchen, jedem Gerechtigkeit zukommen zu lassen. In unserer diakonischen Arbeit fragen wir nicht nur nach dem, was der Mensch braucht, sondern auch nach dem, was er will. Menschen können zwar würdelos handeln, aber dennoch ihre Würde nicht verlieren."

In dieser Hinsicht ist jeder Therapiegast einzigartig in seiner Persönlichkeit, seiner Lebensgeschichte, seinen Bedürfnissen, seiner Sehnsucht, seinen Stärken und Schwächen.

Dabei geht es uns nicht um abstrakte Glaubenssätze. Für uns bedeutet Glauben etwa auch, schon zu Beginn jedem Patienten etwas zuzutrauen und ihm einen Vertrauensvorschuss zu geben. 

Träger ist das Projekt Kaffeetwete e.V., Braunschweig, Mitglied im Diakonischen Werk Braunschweig.